Dr. Eckstein

alias Mr. Hide
(Lead Gitarre)

Unzählige Jahre hatte Dr. Eckstein damit verbracht, das Spiel auf seinem musikalischen Instrument zu erlernen, jenem wundersamen Artefakt, enstanden aus der Synthese jahrtausendealter Kunstfertigkeit und der modernen Wissenschaft der Elektronenströme. In seiner Kammer eingeschlossen repetierte der vom Streben nach Perfektion Besessene die biomechanischen Abläufe einst gar bis zur Versehrung seines eigenen Leibes. Doch nicht nur jenes musikalische Instrument, auch die geniale Elektronenrechenmaschine, welche er alsbald meisterhaft zu befehligen verstand, zog ihn in ihren Bann. Binnen kurzem begann er, Partituren zu ersinnen und diese, sowie Tonaufzeichnungen seines musikalischen Instrumentes, mithilfe dieses Wunders moderner Technik auf rotierende Magnetscheiben zu bannen.

All dies geschah jedoch unter Ausschluss anderer Menschenseelen, und niemandem würde es beim flüchtigen Vorbeischreiten an diesem scheinbar unscheinbaren und rechtschaffenden Kopfmenschen in den Sinn kommen – doch hinter der Maske der Schweigsamkeit und Melancholie verbirgt sich Dr. Ecksteins Alter Ego, der verantwortungslose, Kapriolen schlagende, von unkontrollierten Emotionen und Hedonismus getriebene Mr. Hide. Diese Kreatur schlummerte schon lange in Dr. Eckstein, musste jedoch stets versteckt sein. Doch nachdem Dr. Eckstein eines Nachts die Verfehlung beging, aus wissenschaftlicher Neugier Experimente mit Absinth an sich selbst durchzuführen, war Mr. Hide oftmals kein Einhalt mehr zu gebieten, woraufhin dieser begann, allmitternächtlich den besessenen Körper in die Gaststätten und Tanzlokale der Stadt zu entführen.

So war es denn auch eine dieser Nächte, in der Dr. Eckstein in einem Tanzlokal auf den ihm noch kaum vertrauten, aber anscheinend wohlgesonnenen Mr. Blake traf, der in dieser Nacht ausnahmsweise seine Dichterkammer verlassen hatte. Mr. Blake befand sich seinerzeit in der misslichen Lage, mit seiner Kapelle namens Eden Weint Im Grab konzertieren zu sollen, obgleich jene Kapelle zur fraglichen Konzertnacht nicht in ihrer Gänze besetzt werden konnte. Von Neugier getrieben, erbat Dr. Eckstein Tonaufzeichnungen der Kapelle und erklärte sich nach deren vorzüglich ausgefallener Beurteilung bereit, den vakanten Posten in der Kapelle für eine Nacht einzunehmen, suchte flugs wieder seine Kammer auf und analysierte die Tonaufzeichnungen um die ihm obliegenden Noten minutiös einzustudieren.

Da sich Mr. Blake und seine Kapelle sowie auch Dr. Eckstein gegenseitig an ihrer Spielkunst erfreuen konnten, endete der gemeinsame Weg jedoch nicht nach dieser schicksalhaften Konzertnacht, sondern wurde in Eintracht fortgeführt. So werden die Mitglieder der Kapelle nun zum einen von Dr. Ecksteins Perfektionismus und Werktreue geknechtet, zum anderen jedoch zur Versöhnung von Mr. Hides Possen erquickt.

E-Mail: eckstein@edenweintimgrab.de