Kalila Karussell

(Violine)

In ein weites Gewand gehüllt, die zarten Gesichtszüge von einer Kapuze umsäumt, streift Kalila des Nächtens durch die Wälder. Berührt sie Gräser, Sträucher und Bäume, umweht diese der Hauch der Erneuerung, der Offenbarung des baldigen Beginns einer Wandlung. Sie ist die Verkünderin der Botschaft der Göttin Kali, welche Verwirrung, Unwissenheit und Bindungen durchschneidet und dadurch den Weg zur Erlösung ebnet. Wo Kali vernichtet, zerstört und verschlingt, kann endlich Neues gedeihen.

Eine Ruine verborgen in den Tiefen des Waldes, umrankt von Efeu, Immergrün und Stechpalmen wurde einst Heimstätte der Kalila. Hebt sie ihren Stab und spricht in fremden Zungen die Worte der Todesgöttin, flammen uralte Runen auf, die die Pforte ihres magischen Tempels öffnen. Allerlei sagenumwobene Ingredienzien füllen die Wände ihres Tempels. Zückt sie dann ihren zerstörerischen Bogen, bespannt aus den Haaren des Einhorns und geschnitzt aus der Kralle des Horndrachens der glühenden Feuerberge, spielt sie ihre wütende Melodei. Voller leidenschaftlicher Inbrunst zieht sie ihren Bogen, damit die Botschaft der Kali als blauer Nebel Wiesen, Wälder und Ortschaften durchströmt. Dieser Schicksalsnebel bahnt sich seinen Weg durch Türschlitze, Schlüssellöcher und Fensterritzen. Wo er des Menschen Haupt umweht, kündet er diesem die Botschaft des Todes.

Auf dem Gipfel des felsigen Hinterlandes steht Kalila, ihr flammend rotes Haar weht bedrohlich im Sturm des ausklingenden Tages. Sie harrt des baldigen Ereignisses, das durch die Prophezeiung der Kali ihr vorhergesagt ward …

E-Mail: kalila@edenweintimgrab.de